„Die beste Bildung findet der Mensch auf Reisen!“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Getreu dieses Mottos begaben sich Ende September Michael Groß (2. Vorsitzender) und Edda Treiber (Pressesprecherin) nach Nairobi (Kenia), um bereits laufende  (Bildungs-)projekte des Vereins zu besuchen, Einblicke in deren herausfordernden Arbeitsalltag zu bekommen und zukünftige Aktivitäten zu besprechen.

In diesem Kurzbericht soll allerdings primär der Fokus auf die Planung und die Rahmenbedingungen des aktuellen Großprojektes „Berufsschule in Siaya“ gelegt werden. Die Kernaufgabe bestand darin, in Kooperation mit der Pamoja-Youth-Foundation, unserer kenianischen Partnerjugendgruppe vor Ort, ein fundiertes Konzept für die Berufsschule zu erstellen sowie eine fruchtbare Basis für eine mögliche Kooperation mit der Deutschen Botschaft in Nairobi zu schaffen.

Elementär unterstützt wurden die beiden Vereinsmitglieder von Raphael Omondi, dem Gründer der Pamoja-Youth-Foundation,der vor Ort die logistische Organisation in die Hände nahm. Die Stationen, Erhebungen und Inhalte der Projektreise sollen im Folgenden kurz umrissen werden. Detailliertere Informationen sind im beigefügten Gesamtkonzept zu finden:

In Ugunja (Provinz Siaya) wurde das im Sommer gekaufte Grundstück in Augenschein genommen und fünf Tage lang weitere Daten für den Bau der Berufsschule erhoben:

• Kartierung des Grundstückes (mit GPS)

• Analyse der Infrastruktur

• Bodenanalyse

• Beschaffung von diversen Klimadaten (Niederschläge, Sonnenscheindauer, Exposition)

• Untersuchung der lokalen Baustoffe hinsichtlich ihrer Eignung für den Schulbau

Neben diesen notwendigen quantitativen Informationen, die zur vollsten Zufriedenheit erhoben und analysiert werden konnten, wurden aufschlussreiche Gespräche mit der

Micha beim Baumpflanzen

Micha beim Baumpflanzen

ortsansässigen Bevölkerung hinsichtlich der Akzeptanz und Notwendigkeit des Projektes geführt. Dabei zeichnete sich klar ab, dass die Unterstützung und Partizipation der Community uneingeschränkt zugesichert ist. Diese positive Resonanz lässt sich durch folgende Daten auch nochmals empirisch belegen:

Im gesamten Siaya-Distrikt existiert nur eine offizielle Berufsschule, die rund 60 Kilometer von Ugunja entfernt liegt. Raphael Omondi hatte im Gespräch mit dem Bildungministerium zusätzlich herausgefunden, dass sich im Bezirk Siaya etwa 665 Primary Schools, 148 Secondary Schools und 3 Berufsschulen (eine offizielle und zwei inoffizielle) befinden. Laut Schätzung des Bildungsministeriums gibt es in Siaya jedes Jahr 22.042 Schulabgänger. Diese Zahlen verdeutlichen die stark eingeschränkten Weiterbildungsmöglichkeiten für Schulabgänger in der Region.

Daher stellt das Berufsschulprojekt sowohl für die anderen Berufsschulen eine Entlastung, als auch vielmehr eine enorme Attraktivitätssteigerung der Sekundärbildung für die  im näheren Umkreis von Unguja wohnenden Bevölkerung dar.

Dabei haben die Untersuchungen der Pamoja-Youth-Foundation und von ELIMU – Bildung in Ostafrika e.V. ergeben, dass für folgende Berufe eine hohe Nachfrage besteht:

• Schlosser/innen

• Schreiner/innen)

• Schneider/innen

• Friseur/Friseuse.

Eine weiterere wichtige Erfahrung in Ugunja war das Interview mit einem kenianischen, ehemaligen Berufsschullehrer. Mit seinen Erfahrungen und Informationen konnte viele essentielle Aspekte bezüglich der Infrastruktur,  Materialien oder einer angemessenen Unterrichtsplanung in einer kenianischen Berufsschule im Konzept berücksichtigt werden. Dieses Gespräch trug stark zur Konkretisierung der Implementierungsabsichten bei.

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Besuch bei Sister of Hope

Um zusätzlich weitere regionale Einblicke ins kenianische Bildungssystem im ländlichen Raum zu bekommen, wurde eine Primary School und eine Secondary School besucht. Erstere liegt praktischerweise direkt neben dem erworbenen Grundstück, auf welchem die Berufsschule entstehen soll. Dies wird den Absolventen der Primary School den Wechsel direkt nach ihrem Abschluss auf die Berufsschule erleichtern, da kein Ortswechsel stattfinden muss.

Als letzte Aktion in Ugunja wurden gemeinsam mit der Community zu Ehren der kurz zuvor verstorbenen Wangari Maathai, Bäume auf dem Grundstück der geplanten Berufsschule gepflanzt.

Nach diesen fünf erfolgreichen Tagen in Ugunja, stand nun in Nairobi das wichtige und richtungsweisende Gespräch mit der Deutschen Botschaft auf dem Programm. Dieses konstruktive Gespräch wurde mit Frau Budde geführt, die aufgrund des stimmigen ausformulierten Konzeptes samt Finanzierungsplan, welche in anstrengenden Abend- und Nachtschichten erstellt wurden, starkes Interesse signalisierte. Die Botschafterin war so beeindruckt vom Konzept sowie dem Vereinsengagement, dass sie abschließend eine fast sichere Unterstützung der Deutschen Botschaft zusagte. Diese ist sowohl für den Schutz unserer Interessen, als auch durch die finanzielle Unterstützung für die Ausrüstung der Schule elementär.

Der Besuch bei der Botschaft kann somit als voller Erfolg gewertet werden und das Reiseziel wurde mehr als erfüllt.

Außerdem wurden in den verbleibenden drei Tagen noch weitere Projekte, wie beispielsweise DISC (Donyo Integrated Sports Center – Verantwortlicher: Charly Ochieng) besucht. Charly Ochieng hatte an diesem Tag ein umfassendes Programm vor Ort in Donyo (ländlicher Distrikt, Nähe 14 Falls) vorbereitet:

• Besuch einer Primary School

• Besuch einer Secondary School

• Besuch unserer geförderten Mitglieder (12 Grundschüler, drei Schneider-Azubinen, Angestellte der neuen Sporthalle, uvm.)

Weiterhin stellte Charly Ochieng ein neues, von ihm durch Eigeninitiative gegründetes Projekt vor, welches eine Bibliothek mit sechs PC-Plätzen zum Inhalt hat. Begeistert wurde den beeindruckten ELIMU-Vertretern eine detaillierte Projektvorbeitungsskizze des Bücherregals,der PC-Plätze sowie ein durchdachter Finanzplan präsentiert. Die Notwendigkeit dieses nachhaltigen Projekts liegt im drastischen Mangel an Unterrichtsmaterialien, wie Schulbücher und PCs, begründet. Diese Kernproblematik wurde den ELIMU-Vertretern auch durch die diversen Schulbesuche vor Augen geführt.

Charly erklärt DISC-Sportprojekt

Charly erklärt DISC-Sportprojekt

Während der gesamten Aufenthaltsdauer in Kenia wurde veranschaulichende Videoaufnahmen gemacht, welche konkrete Eindrücke unserer Projekte vermitteln sollen. Diese sind in Kürze auf der Galerie zu finden.

Die ELIMU-Delegation machte sich mehr als zufrieden mit den Fortschritten, wenn auch mit leichtem Wehmut aufgrund des doch recht kurzen Aufenthalts, wieder auf den weiten Heimweg, um nun im Folgenden durch die erlangten Impressionen in die Detailplanungen einzusteigen.

Auf diesem Weg möchten wir uns ganz herzlich bei unseren Unterstützern, vor allem bei Frau Leyendecker, bedanken, die diese Projektreise erst ermöglicht haben.

ASANTE SANA!

Möchten Sie mehr Informationen oder haben Sie Fragen an uns?! Kontaktieren Sie uns gerne um mehr zu erfahren. 

gross@elimu-ev.org