Was man lernen muss, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut. (Aristoteles)

Warum wollten wir die Berufsschule bauen?

Ausgangsidee dieses 2010 gestarteten Projekts war es, für Jugendliche im ländlichen Raum bessere Zukunftschancen und Berufsmöglichkeiten zu schaffen. Bislang gibt es in Kenia kaum Schulen, welche praktisch und berufsorientiert ausgerichtet sind. Die fehlende praktische Komponente im Schulsystem ist insbesondere in einem Entwicklungsland wie Kenia problematisch. Der Großteil der Bevölkerung verdient seinen Lebensunterhalt durch handwerkliche Berufe im (informellen) produzierenden Gewerbe oder im Bereich der Landwirtschaft. In diesen Branchen erlernen Jugendliche, wenn überhaupt, oftmals einen Beruf nach dem Motto „Learning by doing“. Dies bedeutet, dass die meisten Schulabgänger sich ihre Kenntnisse selbst aneignen müssen. In Kenia haben nur 5% der Jugendlichen im Alter zwischen 20 und 24 Jahre eine staatlich anerkannte Berufsausbildung.

Nach intensiven Recherchen hat ELIMU im Jahr 2010 den Bezirk Siaya als Projektregion ausgewählt, da hier die Ausbildungssituation besonders angespannt ist. Nach Schätzungen des kenianischen Bildungsministeriums gibt es im Bezirk Siaya jedes Jahr rund 22.042 Schulabgänger, jedoch nur drei Berufsschulen. Diese verfügen keineswegs über ausreichende Kapazitäten, um einer Vielzahl von Schulabgängern eine Berufsausbildung anzubieten.

Ein weiteres Kriterium für die Auswahl dieser Region war die bereits bestehende Verbindung zu Raphael Omondi, dessen Familie aus Siaya stammt. Durch die langjährige Kooperation zwischen ELIMU und der von Raphael geleiteten Pamoja Youth Foundation in Nairobi bestand bereits eine Vertrauensbasis zur gemeinsamen Durchführung des Projekts.

Was haben wir erreicht?

Im Sommer 2011 wurde es dann konkret. Ein Grundstück in Ugunja, einem Dorf im Bezirk Siaya, wurde ausgewählt und gekauft. Zwei ELIMU-Vorstandsmitglieder reisten im Herbst 2011 nach Kenia, um sich ein konkretes Bild vor Ort zu machen. Dabei wurde das Grundstück genau vermessen und unter Berücksichtigung der Bodenverhältnisse kartiert. Außerdem wurden der Bedarf und die Größe des Projekts analysiert und Gespräche zur konkreten Realisierung (Baustoffe, Arbeitskraft, etc.) geführt. Die Analyse hat gezeigt, dass für die Berufszweige Schreiner, Schlosser, Schneider und Friseur eine hohe Nachfrage besteht. Darauf aufbauend  wurde ein detailliertes Konzept erarbeitet und der Deutschen Botschaft in Nairobi vorgelegt. Im Juni 2012 erhielt ELIMU eine Zusage der Botschaft für eine finanzielle Unterstützung des Berufsschulprojekts. Außerdem gab es während der gesamten Projektphase Gespräche mit weiteren NGOs, welche im Bereich Brunnenbau und Solarenergie tätig sind.

Im Februar 2012 startete eine Kooperation mit der FH Hildesheim, welche im Rahmen eines Projektseminars verschiedene Entwürfe für den Berufsschulbau entwickelte. Dabei sollte besonders auf eine regional angepasste Bauweise geachtet werden, um die Nachhaltigkeit und die Umsetzbarkeit des Projektes zu gewährleisten sowie die Projektkosten gering zu halten. Im Sommer 2012 wurde der Gewinnerentwurf ausgewählt, welcher vor Ort realisiert werden sollte. Im September waren ein ELIMU-Vorstandsmitglied sowie ein Student der FH Hildesheim vor Ort, um den Spatenstich zu setzen und den weiteren Bau zu betreuen.

Warum ist das Projekt gescheitert?

Mit großem Bedauern musste der ELIMU-Vorstand feststellen, dass die Kostenkalkulation für den Bau nicht realistisch war. Dies lag einerseits daran, dass nicht eine Person die Gesamtkosten, sondern mehrere Personen diverse Teilposten, berechnet hatten. Zudem stellten sich die Kosten für die lokalen Baustoffe höher als angenommen heraus. Da wir mit den kenianischen Verwaltungsabläufen nicht vertraut waren, kamen viele unvorhergesehene als auch schwierig zu kalkulierende Administrationskosten auf uns zu.

Durch den langen Planungsprozess von 2010 bis 2012 haben sich Divergenzen zwischen den Vorstellungen der Projektpartner entwickelt. Während ELIMU vorrangig das geplante Basiskonzept realisieren wollte, verstärkte sich bei der Pamoja Youth Foundation der Wunsch, das Ursprungsprojekt zu erweitern. Dies wurde allerdings von kenianischer Seite nicht ausreichend kommuniziert, sodass Missverständnisse und Spannungen entstanden. Da ELIMU kein aktives Mitglied vor Ort hat, wurde das gesamte Ausmaß erst beim geplanten Baubeginn festgestellt, sodass eine kurzfristige Änderung der Planung nicht möglich war. Außerdem wurde der lokale Schlüsselakteur, die Community des Dorfes Ugunja, seitens beider Projektpartner zu stark vernachlässigt. Das Konzept sah zwar eine aktive Partizipation der Community vor, jedoch scheiterte es an der Umsetzung. Beide Projektpartner haben es in Siaya versäumt, die lokale Bevölkerung zu informieren und zu mobilisieren. ELIMU hat sich dabei zu sehr auf das Engagement von Raphael Omondi verlassen, während sich dieser auf die Detailplanungen der Berufsschule konzentriert hat.

Zu den transkontinentalen Kommunikationsschwierigkeiten kamen interne Probleme bei Absprachen. Diese waren durch Veränderungen in der ELIMU-Vereinsstruktur maßgeblich bedingt. So machten im Jahr 2012 ca. 80% der Vorstandsmitglieder ihren Universitätsabschluss, welcher in der Regel auch Wegzüge aus Trier zur Folge hatte.

Die beiden Hauptfaktoren Kostenexplosion und Kommunikationsschwierigkeiten haben dazu geführt, dass ELIMU im Oktober 2012 beschlossen hat, das Projekt zu stoppen. Alle ELIMU-Vorstandsmitglieder mussten mit Bedauern feststellen, dass ein Projekt in der geplanten Größenordnung nicht zu realisieren ist. Für ein Gelingen ist es unabdingbar, ein aktives Vereinsmitglied als Projektkoordinator vor Ort zu haben.

Wie geht es jetzt weiter?

Das Scheitern des Berufsschulprojekts hat unser Vertrauen in die Realisierbarkeit von Entwicklungsprojekten in Ostafrika stark erschüttert. Um neue Motivation zu erlangen, haben wir die Gründe für das Misslingen im Rahmen eines Workshops im Herbst 2013 selbstkritisch aufgearbeitet und die Fehler als Anlass genommen, neue vereinsinterne Ziele zu formulieren. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, regelmäßig zu kommunizieren und klar definierte Aufgaben für die einzelnen Vorstandmitglieder zu verteilen. Auch passive Mitglieder sollen von Anfang an transparenter in alle Projekte eingebunden werden.

Trotz des großen Misserfolgs hält sich der finanzielle Schaden glücklicherweise in Grenzen. Zudem besteht die Hoffnung, dass wir mit Hilfe von Charles Ochieng, dem Leiter der DISC-Initiative, das gekaufte Grundstück wiederverkaufen können. Der Erlös aus dem Wiederverkauf soll in die Unterstützung des DISC-Projektes von Charles investiert werden.

Der herausragende Architekturentwurf der FH Hildesheim steht für zukünftige Projekte weiterhin zur Verfügung. Eventuell kann er im Rahmen eines von DISC geplanten Projekts für 2015 – ggf. in modifizierter Form – Anwendung finden. An dieser Stelle möchten wir uns nochmal bei der FH Hildesheim für die gelungene Kooperation und ihr einzigartiges Engagement bedanken.

 

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